Die Idee vom Kinderdorf
Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies

Vor 60 Jahren hatten zwei mutige und tatkräftige Menschen eine Vision: Ein Ort für Kinder. Ein Ort, an dem die Kriegswaisen und Flüchtlingskinder im Nachkriegsdeutschland einen sicheren Platz finden sollten, eine Schulbildung und eine solide Handwerksausbildung bekommen. So entstand 1947 das 1. Kinderdorf Deutschlands.
Heute leben 100 Kinder, die nicht bei ihrer Herkunftsfamilie sein können, mit pädagogisch qualifizierten Kinderdorfeltern zusammen. Fern von Schichtdienstmodellen erleben Kinder und Jugendliche im Pestalozzi Kinderdorf „Familie“ im eigentlichen Sinne, als Wärme, Wertschätzung und Verlässlichkeit im Alltag. Die Grundsätze Pestalozzis einer Erziehung von "Kopf, Herz und Hand" bestimmen die Arbeit vom Kindergarten über die Schule bis zur Ausbildung in zehn Handwerksbetrieben. Das Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf in Wahlwies ist eine unabhängige und gemeinnützige Einrichtung der Jugendhilfe in der Nähe des Bodensees. Träger ist der mitarbeitergeführte Verein “Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies e.V.” 

Während der Philosoph Walter Robert Corti Anfang 1946 in der Schweiz zur Gründung eines Kinderdorfes aufrief, schmiedeten der Schweizer Musikpädagoge Dr. Erich Fischer und der schlesische Arzt und Landwirt Dr. Adalbert Graf von Keyserlingk für Deutschland diesen Plan und setzten sich mit aller Kraft für ihre Idee ein. Sie schufen den Ort, der bis heute für Viele Symbol für Neubeginn und Geborgenheit ist.

„Meine Mami bringt mich jeden Tag in den Kindi und holt mich wieder ab. Ganz sicher. Und außerdem liest sie mir immer eine Gute-Nacht-Geschichte vor, damit ich was Schönes träumen kann.“ Die sechsjährige Michelle mit dem roten Haarschopf und den Sommersprossen, drückt in ihrer Beschreibung eines ganz normalen Tages aus, was Kinder am meisten brauchen. Die Frau, die Michelle „Mami“ nennt, ist Mitarbeiterin des Pestalozzi Kinder- und Jugenddorfes Wahlwies. In einer Kinderdorffamilie arbeitet ein Paar und lebt mit sechs Kindern und Jugendlichen zusammen. Sie sind Tag und Nacht für die Kinder verantwortlich – wie in jeder „ganz normalen“ Familie.