Stephan Heibel, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, geht in seinem Börsenbrief der Frage nach, ob man das System, das dem Untergang geweiht ist, schnell kollabieren lässt, um anschließend etwas Neues aufzubauen, oder eher den langsamen, sozialverträglichen Übergang sucht und ewig mit alten Strukturen kämpft? Eine Frage übrigens, die einst die CDU von der SPD unterschied und die heute noch die US-Republikaner von den US-Demokraten unterscheidet, so Stephan Heibel.
Seiner Ansicht nach sucht Bush die schnelle Marktbereinigung in den letzten Tagen seiner Amtszeit und nimmt dafür sogar in Kauf, die Autoindustrie aus dem Land zu jagen. Obama als Demokrat würde als erstes die Big 3, die drei großen Autokonzerne aus Detroit (GM, Ford, Chrysler) retten und somit wohl jahrelang strukturelle Probleme provozieren.
Politisches Taktieren, Verschwörungstheorie oder persönliche Rachefeldzüge seitens Bush? Zumindest ist er von seiner Strategie noch immer überzeugt, was in der Natur der Sache liegt. Denn Bush wurde in einer Epoche wirtschaftlicher Stabilität aufgezogen und lernte Krisen stets als Chance, als bereinigenden Prozess, aus dem etwas Neues, Besseres erwuchs, zu erkennen. Er wird diesen Weg weitergehen und erst kurz vor dem Kollaps mit den notwendigsten Mitteln eingreifen.
Es bleibt nicht bei der Autoindustrie allein. Die Krise hat Citigroup erreicht. In den vergangenen Wochen hat die Citigroup 20 Mrd. USD von Privatinvestoren erhalten und weitere 25 Mrd. USD aus dem Rettungspaket von Hank Paulson. Im Moment wird das Unternehmen nur noch mit einer Marktkapitalisierung von 25 Mrd. USD bewertet. Bei einem Aktienkurs von 5 USD hat der Saudische Prinz Alwaleed Bin Talal Bin Abdulaziz Al Saud für 350 Mio. USD Aktien der Citigroup gekauft. Prinz Alwaleed hatte schon 1990 Citigroup Aktien für 5 USD gekauft und stieg mit dem anschließenden Aufstieg der Citigroup zu einem der reichsten Menschen der Welt auf. So sollte man meinen, dass sein gestriger Einstieg für Vertrauen sorgt. Doch weit gefehlt: Der Kurs von Citigroup sackte deutlich unter 5 USD.
Die weitere Einschätzung von Stephan Heibel lesen Sie im Heibel-Ticker Börsenbrief.