Stephan Heibel, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes beschreibt in seinem Börsenbrief, wie und wann der Ölpreis einen Boden bilden könnte.
Der Ölpreis sei um satte 15% eingebrochen und kaum rutsche er unter 40 USD/Fass kämen wieder jede Menge Prognosen über einen baldigen Ölpreis deutlich unter 30 USD/Fass auf. Dies allerdings hält Heibel für übertrieben. Eine Korrektur bis an die 30 UDS/Fass kann er sich nur als kurzfristige Übertreibung vorstellen. Mittelfristig geht Stephan Heibel nach wie vor von einer Schwankungsbreite zwischen 40 und 70 USD/Fass aus.
Auch hier sähe man die große Verwirrung in allen Industriezweigen über die aktuellen Entwicklungen auf den Finanzmärkten: Wenn es doch so klar gewesen sei, dass der Ölpreis nicht über 100 USD/Fass bleiben würde, warum haben dann die Ölkonzerne diesen hohen Preis nicht langfristig abgesichert? Warum käme nun plötzlich ein Ölkonzern nach dem anderen mit einer Gewinnwarnung an die Öffentlichkeit? Haben die Konzernchefs den Prognosen von einem Ölpreis über 200 USD/Fass geglaubt?
Schließlich gäbe es in einer halbwegs berechenbaren Marktwirtschaft genügend Absicherungsgeschäfte. Es gäbt saisonale Schwankungen und zyklische Schwankungen. Wenn man in der Materie drin sei, könne man als Konzernchef bei hohen Preisen auf langfristige Rahmenverträge drängen und bei niedrigen Kursen zum Gegenteil. Offensichtlich sei jedoch kein einziger Ölkonzernchef zu einer solchen Einschätzung in der Lage gewesen, denn alle Ölkonzerne klagten nun über Gewinneinbrüche. Das wäre nicht der Fall, wenn im vergangenen Sommer langfristige Verträge abgeschlossen worden wären.
Ebenso hilflos schienen auch die Konzernchefs der energieintensiven Branchen, die zu Preisen unter 40 USD/Fass eigentlich langfristige Lieferverträge mit den Konzernen hätten aushandeln sollen. Wir würden in ein paar Monaten sehen, ob es Unternehmen gibt, die bei einem angestiegenen Ölpreis nicht über einen höheren Kostendruck klagen, so Heibel, der eher befürchtet, dass aufgrund der heftigen Preisschwankungen die Verunsicherung so groß sei, dass diese günstigen Preise nicht nachhaltig gesichert würden.
Aber genau das sei notwendig, um einen Boden für den Ölpreis zu bilden. Nicht die tägliche Nachfrage nach Öl könne den Ölpreis stabilisieren, sondern die Industriekapitäne, die heute die Preise für die Öllieferungen der nächsten Quartale festschreiben sollten. Nicht der plötzliche Kavalierstart aller Autofahrer führe zur Bodenbildung beim Öl, sondern die Verhandlungsstrategie der Industrie.