Stephan Heibel, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes stellt in seinem Börsenbrief fest: INFORMATION IST EIN GEFÄHRLICHES GUT
Im Grunde genommen sei er mit der neuen US-Administration recht zufrieden. Gut, es sei nicht schwer gewesen, gegenüber Bush eine Verbesserung herbeizuführen. Aber er genieße den Idealismus, mit dem Obama und seine Mannschaft ans Werk gingen.
Ein großer Unterschied zur Bush-Administration sei die Informationspolitik Obamas. Die Öffentlichkeit würde viel detaillierter und früher informiert, als bisher, so auch über das neue das 790 Mrd. USD Konjunkturprogramm.
Doch Informationen seien ein gefährliches Gut. Je nach Marktstimmung würde ein Mosaik-Steinchen des riesigen Pakets herausgegriffen und von den Medien breit geschlagen.
Die beiden dringendsten Konjunkturprobleme seien laut Heibel die Arbeitslosigkeit und der Immobilienpreisverfall. Bislang hätten die Arbeitslosen noch keinen großen Einfluss auf das System gehabt, doch nach den 100.000en, die in den vergangenen Monaten allein im Finanzsektor freigesetzt worden wären, sei schon bald damit zu rechnen, dass der Konsum zurück ginge und dass weitere Hypotheken notleidend werden würden. An dieser Stelle müsse Obama ansetzen, um US-Finanzminister Geithner die Zeit zu geben, die er benötige, um den Finanzsektor wieder zum Laufen zu bringen.
Es sei befürchtet worden, dass Obama die Arbeitslosen und die Immobilienpreise mit seinem Konjunkturpaket nicht ausreichend beglücken würde. Doch die Nachricht vermittelte den (falschen) Eindruck, dass nun auch diese Bereiche gut versorgt würden.
Nachdem der Dow Jones bis zu diesem Zeitpunkt immer weiter abgebröckelt sei, er notierte bei 7.700 Punkten, führte diese Nachricht zu einer Rallye an den Börsen. Das Tagesminus von 3% bis zu diesem Zeitpunkt sei in der letzten Handelsstunde wieder aufgeholt worden. 3% Kursanstieg in einer Stunde seien schon ziemlich rekordverdächtig.
Doch diese Schwankungen führten zu einer Volatilität, die den meisten Marktteilnehmern einfach nur noch auf die Nerven ginge. Es sei kaum mehr möglich, die Marktbewegungen vorherzusagen, denn dank der offenen Informationspolitik des Obama-Teams seien jederzeit überraschende Kurskapriolen möglich.
Schon Tim Geithner habe vor seiner Rede am Dienstag intensiv von den Journalisten Gebrauch gemacht, die in seinem Umfeld zu den „gut informierten” gehörten.
Das Thema Bad Bank beispielsweise sei intensiv diskutiert worden und der sich bildende Konsens sei gewesen, dass eine pure Bad Bank, auch Zombie Bank genannt, nicht die Lösung sein könne. Aber auch der Private Sektor könne die toxischen Derivate alleine nicht schultern. Also habe Geithner in seiner Rede von einer PPP, einer Public-Private Partnerschaft gesprochen, in der die Probleme gemeinsam angegangen werden sollen.
Immerhin, so Heibel, verabschiedeten wir uns damit von dem schwarz-weiß Denken der Bush Administration. Differenzierte Lösungen seien nun mit dem Obama-Team möglich. Doch wie genau diese differenzierte Lösung aussehen könnte, dazu hätten wir bislang noch nicht viel erfahren.
Ob es nun gut sei oder schlecht, dass die Informationen so freimütig gestreut würden, bevor eine Entscheidung feststeht oder ob damit nicht die Unsicherheit verschlimmert würde?
Die Antwort des Diplom-Volkswirt, Stephan Heibel, lesen Sie im Heibel-Ticker Börsenbrief.