Stephan Heibel, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs, erklärt in seinem Börsenbrief, warum das aufkommende Misstrauen im Finanzsektor zum sofortigen Stopp des Welthandels führte. Hierzu beschreibt er den Letter of Credit, zu deutsch, das Akkreditiv an einem Fallbeispiel:
Wenn ein Rohstoffproduzent zum Beispiel eine Schiffsladung Eisenerz von Australien nach China liefert, dann erhält er das Geld für die Ware erst nach erfolgreicher Übergabe der Ware in China. Da er nicht mit dem Käufer im Hafen von Shanghai feilschen will, lässt er sich die Abnahme der Ladung im Vorfeld verbindlich bestätigen. In diesem Dokument werden bereits die Menge und der Preis festgelegt. Wenn die Ware also dann wie beschrieben angeliefert wird, ist der Käufer zur Zahlung des festgelegten Preises verpflichtet.
Da man nicht irgendeinem Käufer in China trauen möchte, nimmt man die beiden Banken des Käufers und Verkäufers dazwischen, damit sie die Zahlung sicherstellen. Hierbei bestätigt also die chinesische Hausbank des Käufers, dass dieser solvent ist und schickt das entsprechende Akkreditiv zur australischen Bank des Verkäufers. So bündeln Banken die Finanzströme des Welthandels. Auf Wunsch wird die australische Bank ihrem Kunden auch vorab einen Kredit in entsprechender Höhe einräumen, denn der Zahlungseingang wurde von der chinesischen Bank ja garantiert.
Und hier setzt die Finanzkrise ein: Die Banken begannen, sich gegenseitig nicht mehr zu trauen. Die australische Bank also vergab keinen Kredit an ihren Kunden, den Rohstoffverkäufer, da sie nicht sicher war, ob die chinesische Bank zum Zahlungsziel überhaupt noch existiere. Diese Begründung allerdings passt der australischen Bank gut ins Konzept, ist sie ja sowieso gehalten, ihr Gesamtkreditvolumen zu verringern, außerdem tut sie sich mittlerweile selbst bei der eigenen Refinanzierung des Akkreditivs schwer. Durch das Handeln seiner Bank verunsichert, ist auch der Eisenerzverkäufer nicht bereit, das Risiko zu tragen und schickt seine Ladung erst gar nicht los.
Nun geistert nun die Angst eines weltweiten Konjunkturabschwungs, einer Rezession, durch die Medien. Volkswirtschaftlich gesehen haben wir eine Rezession, so Stephan Heibel. Warum er sie allerdings für eine untypische Rezession hält, lesen Sie im Heibel-Ticker Börsenbrief.