Stephan Heibel, Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes untersucht in seinem Börsenbrief, ob die Rallye auf stabilen Füßen steht, oder umzufallen droht.
Hierzu bemüht Heibel das Bild eines Stuhles, der mit nur einem oder zwei Beinen umfallen würde, mit dreien aber schon einen sicheren Stand erhielte. So sei es auch bei einer Börsenrallye, wo mindestens 3 Bereiche zu einer stabilen Bewegung beitrügen.
Diese drei Bereiche würden laut Heibel durch Öl, Tech und Geld getragen. Das seien immerhin drei wichtige Marktsegmente.
SCOTTY: ENERGIE!
(Zitat von James T. Kirk, Raumschiff Enterprise)
Obgleich die OPEC entgegen aller Erwartungen die tägliche Fördermenge nicht gesenkt habe, sei der Ölpreis dennoch angesprungen und die von einigen Marktteilnehmern in Aussicht gestellten 30 USD/Fass in weite Ferne gerückt.
Da mit steigendem Ölpreis höhere Kurse der großen Ölkonzere einher gingen, würde die Ralley durch die Ölbranche angeheizt: Chevron, British Petroleum (BP), TotalFinaElf und Exxon seien schon 15-25% von ihrem Tief vor zwei Wochen angestiegen.
Ähnlich sehe es bei Explorern und Öldienstleistern aus. Auch würden so langsam wieder die alternativen Branchen vom hohen Ölpreis profitieren.
TECHNOLOGY, TECHNOLOGY, TECHNOLOGY!
(Zitat von Steve Ballmer, Microsoft)
Technologiefirmen, so Heibel, entwickelten sich zu hervorragenden Cash-Kühen. Viele Tech-Unternehmen hätten ihre Investitionen rechtzeitig vor der Krise heruntergefahren und kassierten nun für ihre Angebote regelmäßige Prämien. Es sei eine andere Frage, ob diese Unternehmen ein KGV von über 30 rechtfertigen könnten, denn ein solches KGV benötige natürlich auch ein überproportionales Wachstum. Das sei zwar immer seltener gegeben, jedoch gelte in der aktuellen Situation der Liquiditätskrise „Cash is King” – „Bargeld ist König”, was eben bei den Tech-Unternehmen der Fall sei.
Hierbei würden alle Technologiebereiche angesprochen: Software von Adobe und Microsoft, Laptops von Dell und Hewlett Packard bis hin zu den Elektronik-Geschäften wie Best Buy. Flash-Speicheranbieter wie SanDisk oder die Festplattenhersteller wie Seagate und Western Digital. Die Netzwerkbranche freue sich über mehr Vernetzungen, Cisco, Altera und Xilinx würden steigen. Oder auch die Anbieter spezieller Komponenten für MP3-Player und Handys wie Taiwan Semi, National Semi und Analod Devices bis hin zu Infineon schöpften Hoffnung auf bessere Zeiten.
MAN MUSS SCHON VIEL GELD HABEN, DAMIT ES EINEM EGAL SEIN KANN
(Zitat: Hat so ziemlich jeder Reiche schon einmal gesagt
Das dritte und zugleich wichtigste Standbein unserer Rallye sei der Finanzsektor.
Hoffnungen über die Wiedereinführung der Uptick Rule sowie die Aufweichung der mark-to-market Bilanzierungsvorschrift hätten bisher für eine Kursrallye im Finanzsektor gesorgt. Inzwischen würde auch das „nakte Shorten” diskutiert, das Eingehen von ungedeckten Leerpositionen. Das wäre das endgültige Ende der gehebelten Derivate wie des ProShares Ultrashort, der mit jedem investierten Dollar gleich für drei Dollar shortet.
Das bis vor kurzem noch sicher geglaubte Ende der großen Finanzinstitute würde dadurch in Frage gestellt. Die Citigroup habe sich mal eben verdoppelt, Freddie Mac und Fannie Mae verdreifacht und AIG vervierfacht. Diese vier Finanzinstitute hätten als bereits verstaatlicht gegolten, und plötzlich gäbe es Hoffnung, dass eine vollständige Verstaatlichung vermieden werden könne. Vielleicht könnten die Institute in einer angemessenen Zeit aus eigener Kraft die Staatshilfen zurückzahlen.
Das Fazit dieser Überlegungen und warum manche dieser Beine doch nicht so stabil sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen mögen, lesen Sie im Heibel-Ticker Börsenbrief.