Allgemeines Tempo-Limit von 120 km/h und Einbeziehung des Flugverkehrs in Klimaschutzmaßnahmen gefordert
Kaiserslautern, 06.08.2007 – Der Umwelt-Infodienst fordert als Sofortmaßnahme zum Klimaschutz ein allgemeines Tempo-Limit auf deutschen Autobahnen von 120 Stundenkilometern. Anlass ist die am 10. September stattfindende Beratung des Deutschen Bundestages über einen entsprechenden Antrag der Grünen. Zudem muss die EU-Forderung nach Einbeziehung des Flugverkehrs in Klimaschutzmaßnahmen zügig umgesetzt werden.
"Als Erste Hilfe für¹s Klima brauchen wir ein Tempo-Limit, um den Spritverbrauch kurzfristig zu reduzieren. Dies ist in anderen Staaten längst üblich – jetzt muss auch die Bundesregierung endlich handeln. Auch die EU-Forderung nach Erweiterung des Emissionshandels auf den Flugverkehr muss schnellstmöglich umgesetzt werden", sagt Harald Armbrust vom Umwelt-Infodienst in Kaiserslautern. "Wer jetzt noch untätig bleibt, macht sich mitschuldig am Klimawandel".
Kohlendioxid (CO2) ist wesentlich für den Treibhauseffekt und damit für den vom Menschen verursachten Klimawandel verantwortlich. Bedeutende Faktoren sind der Kraftfahrzeugverkehr und das Fliegen. Der durch den Kraftfahrzeugverkehr bedingte CO2-Ausstoß in Deutschland ist von 1990 bis 1999 um 11 Prozent auf 190,7 Millionen Tonnen pro Jahr angestiegen. Schuld daran sind immer mehr Autos, die immer mehr Kilometer zurücklegen. Auf 12.300 Kilometern Autobahn in Deutschland werden rund ein Drittel aller PKW-Kilometer gefahren. Zwei Drittel der Strecken haben nach Angaben der Bundesregierung keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Ein allgemeines Tempo-Limit ist die schnellste und günstigste Maßnahme zur Reduzierung von Treibhausgasen im Verkehrsbereich. Mit seiner Einführung könnten die Kohlendioxid-Emissionen von PKW auf deutschen Autobahnen sofort um neun Prozent reduziert werden. Keine andere direkte Maßnahme hat ein annähernd großes Potential. Rund 60 Prozent der deutschen Bevölkerung sind laut einer aktuellen Forsa-Umfrage für ein Tempo-Limit auf Autobahnen.
Ein Tempo-Limit ist Grundvoraussetzung und Signal an die Autoindustrie für den Bau sparsamerer Autos. Niedrigere Geschwindigkeiten ermöglichen den Einbau leichterer Motoren, die Sicherheit der Insassen kann mit geringerem Aufwand und Fahrzeuggewicht sichergestellt werden. Dieses "Downsizing" der Fahrzeuge könnte die CO2-Emissionen von PKW in kürzester Zeit halbieren. Dies ist ein deutlich größerer Effekt als alle zurzeit diskutierten CO2-Grenzwerte für Autos.
Wenn keine massiven Reduzierungen von Treibhausgasen erfolgen, könnten einem UN-Bericht zufolge, der kürzlich in Paris vorgestellt wurde, die Temperaturen auf der Erde bis zum Jahr 2100 mehr als doppelt so schnell steigen als im vergangenen Jahrhundert. Der Klimawandel sei "eindeutig, vom Menschen verursacht und wird sich selbst bei einer Stabilisierung des Treibhausgasausstoßes Jahrhunderte fortsetzen", heißt es in der Studie des Weltklimarates (IPCC). Die Forscher machen den Treibhauseffekt bereits jetzt dafür verantwortlich, dass sich Hitzewellen, Überflutungen und Dürren häufen und dass Wirbelstürme insbesondere über dem Atlantik immer stärker werden. Nahe am Meer gelegene Städte wie Rostock, Hamburg und Kiel werden nach Ansicht des Klimaexperten Hermann Ott vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie auf lange Sicht unbewohnbar werden. Grund dafür sei das Abschmelzen der Polkappen und der damit verbundene Anstieg des Wasserspiegels.