WEIMAR (THÜR.) Es scheint, als müsse Geld noch einmal ganz neu gedacht werden – im Plural. Wer noch vom Euro als bequeme Einheitswährung für Europa träumt, tut gut daran, sich den Schlaf aus den Augen zu reiben: Längst beweisen Tausende komplementärer Währungssysteme auf der ganzen Welt, dass nicht nur gesetzliche Zahlungsmittel wie Euro, Dollar und Yen als Tauschmittel dienen können. Und diese Nebengelder sind sehr unterschiedlich: Inzwischen wird mit Flugmeilen und Payback-Punkten, mit Zeiteinheiten oder Bildungsgutscheinen bezahlt, und neuerdings immer häufiger auch in „Regiogeld“, einer Art „umprogrammierter“ Landeswährung, die regional gebunden ist. Wir scheinen auf einen freien Währungswettbewerb zuzusteuern, wie ihn der wirtschaftslibertäre F. A. v. Hayek bereits in den 50er Jahren gefordert hatte – und das nicht ohne Grund: Denn verschiedene Ziele und Zwecke können durch verschiedene Währungen offenbar sehr viel effektiver erreicht werden. Während ein Supermarkt sich mit einer eigenen Kundenkarte die Nachfrage in seinen Filialen sichert, erzielt man regionale Nachfrage am besten durch ein regionales Zahlungsmedium.
„Es fehlt an Geld – nun gut, so schafft es denn“, ließ Weimars Finanzminister Goethe einst verlauten. Unter diesem passenden Motto steht auch der 4. Regiogeldkongress, der im Rahmen des „Tag der Regionen“ Ende September in Weimar stattfinden wird. Im Anschluss an die hochkarätig besetzte internationale Fachtagung „Monetäre Regionalisierung“ an der Bauhaus-Universität treffen sich auf dem bundesweiten Kongress Vertreter aller Regiogeldinitiativen, interessierte Mitdenker und Praktiker zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Als Referenten werden unter anderem Margrit Kennedy, Hans Christoph Binswanger, Gernot Schmidt und Hans Ebert erwartet.
Schwerpunkt beider Veranstaltungen ist die Diskussion über die gezielte Konzeption und Wirksamkeit des innovativen Werkzeugs „Regiogeld“ für die Entwicklung der regionalen Wirtschaft, insbesondere für die „strukturschwachen" Regionen. Dazu werden in einem „politischen Forum“ erstmals auch Politiker aus der Bundes-, Landes- und Lokalpolitik Stellung nehmen, darunter der Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell (B90/Grüne), der ehemalige sächsische Innenminister Klaus Hardraht (CDU) sowie Edgar Most, einstmals Leiter der DDR-Zentralbank.
Inzwischen geben in Deutschland bereits fünfzehn Regiogeldinitiativen ihre eigenen Währungen heraus. Mindestens dreißig weitere sind in Vorbereitung. Zivilgesellschaftlich getragen, sollen diese „Ergänzungsgelder“ die Nebenwirkungen der unbegrenzten Mobilität der Weltwährungen ausgleichen, die zu einer Konzentration von Reichtum und Macht in den Ballungszentren führt und nicht zuletzt zum „Abhängen“ sowohl der peripheren Regionen als auch sozial Benachteiligter, die gleichermaßen die auf dem globalen Markt geforderten Renditen nicht (mehr) erbringen können. Die Idee ist so einfach wie revolutionär: Wenn das Geld an den Bedürfnissen vieler Menschen vorbeigeht und die Region verlässt, warum dann nicht einfach ein neues, ein zusätzliches, ein anderes Geld gestalten, das den Menschen und ihren Bedürfnissen dient? Gerade in Ostdeutschland könnten „maßgeschneiderte“ Komplementärgelder so gezielt zu einer wirtschaftlichen und sozialen Stabilisierung in den strukturschwachen Gebieten beitragen.
"Es fehlt an Geld, nun gut, so schafft es denn." … den regionalen Aufschwung selbst gestalten.
4. Regiogeldkongress in Weimar, 30. Sept. – 01. Okt. 2006
Weitere Infos und Anmeldung: http://www.regiogeldkongress.de
Veranstaltungsort: Bauhaus-Universität Weimar
Veranstalter: REGIOprojekt e.V. Weimar und Regiogeld e.V.
Telefon: 03643 – 58-39 23 E-Mail: regioprojekt@livingcity.de
Internationale Fachtagung "MONETARY REGIONALISATION"
Regionalwährungen als Katalysatoren einer endogenen Regionalentwicklung
28./29. September 2006 an der Bauhaus-Universität Weimar
Referenten: Bernard Lietaer (Boulder), Jérôme Blanc (Lyon), Makoto Maruyama (Tokyo), Nigel Thrift (Oxford), Roger Lee (London), Gerhard Rösl (Regensburg), Wolfgang Cezanne (Cottbus), Peter North (Liverpool), Heloisa Primavera (Buenos Aires), Martina Schäfer (Berlin) und andere.
Weitere Infos und Anmeldung: http://www.monetary-regionalisation.com
Veranstaltungsort: Bauhaus-Universität Weimar
Veranstalter: Bauhaus-Universität Weimar und REGIOprojekt e.V.
Telefon: 03643 – 58 39 23 E-Mail: regioprojekt@archit.uni-weimar.de