Glottertal. Obwohl das baden-württembergische Glottertal weder am Fuß der Alpen liegt, noch für hohe Berge bekannt ist, feiern auch hier jedes Jahr bis zu 5000 Menschen ihren ganz eigenen Almabtrieb. Ein Metzgermeister aus dem kleinen Ort rief das Spektakel vor 20 Jahren ins Leben. Inzwischen organisiert sein Sohn das Fest. Am Sonntag, 17. September, zieht Ulrich Reichenbach erneut mit einem Teil seiner rund 350 Tieren von den Weiden, vorbei an Weinstöcken, zum Festplatz.

Bislang war das Glottertal vor allem für die Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“ bekannt. Bis zu 28 Millionen Menschen verfolgten in den 80er Jahren die Geschichten um Prof. Dr. Klaus Brinkmann, der von Klaus-Jürgen Wussow gespielt wurde. Die Drehorte zogen unzählige Touristen an. Inzwischen gibt es einen weiteren Touristenmagneten: „Der Almabtrieb ist ein fester Bestandteil in unserem Veranstaltungskalender und zieht viele Gäste aus Nah und Fern an“, sagt der Glottertaler Bürgermeister Eugen Jehle.  Bis zu 5000 Besucher strömen jährlich am dritten Sonntag im September in den 3000-Einwohner-Ort, um dabei zu sein, wenn Metzgermeister Ulrich Reichenbach mit einem Teil seiner insgesamt 350 Rindern von den Weiden rund um den Wisserhof, vorbei an Weinbergen, zum Gewerbegebiet zieht.

Geschmückte Rinder sind beliebtes Fotomotiv

"Eigentlich ist der Almabtrieb das Dankfest der Bauern, Senner und Hirten, wenn das Vieh wieder gesund von der Alm zurück in den Stall kommt", berichtet Ulrich Reichenbach, der sich intensiv mit der Tradition des Almabtriebs auseinandergesetzt hat. Wie die Bergbauern im Alpenraum schmücken auch er und seine Mitarbeiter die Rinder mit Blumen und Zweigen. Für die Touristen sind die geschmückten Tiere ein beliebtes Fotomotiv. Um ihren Hals tragen sie zusätzlich Schellen, wie die großen Glocken genannt werden.

Traditionell führt die "Kranzkuh" die Gruppe an: Das in der Regel ruhigste und schönste Rind trägt einen besonders schönen und aufwendigen Kopfschmuck. "Das Schmücken der Tiere geht auf einen vorchristlichen Brauch zurück. Schon damals wurden den Kühen Masken aufgesetzt, um sie unkenntlich zu machen und damit vor bösen Geistern zu schützen", erklärt der Metzgermeister, der den ganzen Tag über von seiner Leitkuh begleitet wird. Auch im Festzelt ist das Tier der Star.  Reichenbach zählt zu den bundesweit wenigen Metzgern, die eine eigene Herde halten. Von Mai bis September stehen seine Tiere auf Weiden im Schwarzwald.

Großes Fest mit Blasmusik, einer Maß Bier und Brotzeit

Was den Rheinländern im Frühjahr der Karneval, das ist im September der Almabtrieb den Bergbauern. Wie im Alpenraum feiern auch die Menschen im Glottertal die Rückkehr der Tiere mit einem großen Fest. Bei Blasmusik, einer Brotzeit und einer Maß Bier stoßen Metzgermeister Ulrich Reichenbach und seine Mitarbeiter nach dem Abtrieb mit den Zuschauern auf den Bergsommer an. In einem großen Festzelt sorgen mehrere Musikkapellen für Unterhaltung. Für Kinder gibt es eine Hüpfburg und einen Bullenautomaten, auf dem man reiten kann. Der Glottertaler Almabtrieb ist in diesem Jahr am Sonntag, 17. September und beginnt um 10.00 Uhr. Das Festzelt ist am Gewerbegebiet, in den Engematten 9, aufgebaut.

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