Geschwister erteilen George W. Bush eine Lehrstunde in Sachen Geschwisterstreit
Geschwister grenzen sich voneinander ab, sie sind einander Vorbilder, sie zanken und sie streiten sich, sie bekriegen sich und sie ringen um die Macht, sie fügen sich Ohnmachtserfahrungen zu, sie zeigen sich oder sie verstecken sich voreinander, sie geben einander etwas preis oder agieren im Verborgenen, aber sie entdecken auch gemeinsam, wie man zusammenspielt, wie man zusammen arbeiten und streiten kann, wie man versöhnt. Sie sind füreinander Verbündete und Verräter.
Was Geschwister aneinander bindet, ist die intime Kenntnis voneinander. Niemand kennt sich so wie Geschwister es tun, auf diese subtile Weise. Geschwister erkennen und erahnen die unausgesprochenen Ängste, die Sehnsüchte, Ambitionen, das Schamgefühl, die Verwundbarkeiten des anderen. Niemand kann diese „geheimen“ Kenntnisse besser verstehen als Geschwister untereinander. Es liegt an jedem/r Einzelnen, wie er/sie es einsetzt, um zu helfen oder auch um zu verletzen, um sich einzufühlen oder um zu vernichten.
Der Wunsch Überlegenheit und Kompetenz zu zeigen, steckt in jedem Menschen und motiviert jegliche menschliche Entwicklung. Die meisten streben danach, das Beste aus sich zu machen. Das ständige Vergleichen und Beurteilen unter Geschwistern, wer ist der Stärkere, wer ist der Schwächere, hat eine wichtige Funktion in der kindlichen Entwicklung, weil die Kinder so ihre Talente bestimmen und ihre Fähigkeiten und Eigenschaften bzw. Leistungen messen können.
Wer ist der Schönste, der Schnellste, der Klügste, der Beste, der Beliebteste, die Schönste, ist die ständige Frage.
Aus den Hinweisen, die sich aus dem Vergleich ergeben, entwickeln sie dann ihr Selbstbild und in der Folge davon so etwas wie Selbstachtung. Dabei ist dieser Prozess nur auf lange Sicht von Kontinuität geprägt, im Alltag ist er eher von einem ständigen Auf und Ab gekennzeichnet.
Auch wissen Geschwister um die Endgültigkeit der Beziehungen und sind deshalb geneigt sich untereinander zu arrangieren und für Ausgleich zu sorgen.
Auch die Staatengemeinschaft kann sich nicht davon laufen, muss sich arrangieren. Letztendlich haben wir nur den einen Planeten. Wir müssen bei aller Konkurrenz, bei allem Wetteifern und Streiten Wege finden, die uns miteinander leben lassen und uns bestärken, gemeinsam darum zu ringen, diese eine kleine Welt lebensfähig zu halten. Wer mit dem Kopf durch die Wand will und seine Vorstellungen und Lösungen für allein selig machend hält, wird wie in der Geschwistergruppe auch, seinen Karren an die Wand fahren und sich tot laufen. Deshalb wünschen die Geschwisterkinder Ihnen Mister Bush, mehr Sensibilität im Umgang mit den Brüdern und Schwestern anderer Saaten, auch wenn Sie Ihnen zunächst vielleicht fremd scheinen. Schließlich sind wir doch alle Menschen und haben tief im Innern eine Ahnung davon, dass wir letztendlich alle Brüder und Schwestern sind.
„Not all glitters are of gold, also not in America“, lassen Sie sich helfen von den Geschwisterkindern, die Ihnen zeigen, wie sie sich untereinander gegenseitig die Augen öffnen und immer wieder neu um ihre Solidargemeinschaft Geschwister ringen.
Der Autor des Essays ist Diplomsozialpädagoge und Heilpraktiker(Psychotherapie) und in eigener Praxis tätig. Konfliktmanagement, Mediation, lösungsorientierte Streitkultur sind Teilbereiche seines Arbeitsfeldes.
Er hat sich ebenfalls mit Konflikten unter Geschwistern in einem Elternratgeber auseinandergesetzt.